Interview Bernd Mortimer

Die Alsdorfer Bürger Union – kurz ABU – wurde 2009 gegründet und ist mit fünf Mitgliedern im Rat der Stadt Alsdorf vertreten. Im Interview stellt sich Bernd Mortimer, Fraktionsführer der ABU, den Fragen. 

Obwohl die ABU noch ziemlich jung ist, konnten in allen Stadtteilen Direktkandidaten aufgestellt werden. Ein Achtungserfolg? 

Bernd Mortimer: In der Tat, dass wir mit voller Stärke zur Kommunalwahl antreten werden, hat uns sicherlich nicht jeder zugetraut. Aber wir konnten vor allem in den letzten Monaten einen starken Mitgliederzuwachs verzeichnen. Viele Alsdorfer Bürgerinnen und Bürger möchten sich bei uns engagieren. Das freut uns natürlich und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 

Unser Erfolgsrezept liegt sicherlich auch darin, dass wir eine flache Hierarchie pflegen. Wir arbeiten ohne jeglichen Druck von übergeordneten Parteigremien. Dies erschwert manchmal vielleicht die innere Organisation, weil wir alles selbst machen müssen und nicht auf andere Ressourcen zurück greifen können. Auf der anderen Seite sind wir in unseren Entscheidungen vollkommen frei und können so z. B. auch unbequeme Anfragen an die rot-grün geführte Landesregierung stellen. 

Einen eigenen Bürgermeisterkandidaten stellt die Partei allerdings nicht?

Bernd Mortimer: Nein, auf einen eigenen Bürgermeisterkandidaten bzw. eine eigene Bürgermeisterkandidatin verzichten wir bewusst. Dies allerdings nicht, weil wir keinen eigenen Bewerber oder Bewerberin hätten, oder wir mit dem Amtsinhaber rundum zufrieden wären – nein, das sicher nicht. Wir sind aber der Auffassung, dass in diesem Bürgermeisteramt nunmehr Kontinuität Einzug halten sollte. Wir wollen daher den Amtsinhaber weiter kritisch auf seinem Weg begleiten und mit einer starken ABU Fraktion für die notwendige „Ausgeglichenheit“ sorgen. 

Sie rechnen also mit einer Wiederwahl des Bürgermeisters? 

Bernd Mortimer: Ich kann natürlich nicht in die Zukunft sehen. Fakt ist aber: Alfred Sonders ist bei den Alsdorfern sicherlich sehr beliebt. Nicht ohne Grund hat die SPD deshalb ihren Wahlkampf bisher auf seine Person ausgerichtet. Die gesamte Partei versucht natürlich, von dem Amtsinhaberbonus zu profitieren. Dies ist verständlich und vollkommen legitim. 

Uns ist wichtig zu betonen, dass am 25. Mai zwei Wahlen in Alsdorf stattfinden: Einmal die Bürgermeisterwahl auf der einen Seite und einmal die Wahl zum Stadtrat auf der anderen Seite. Unser Ziel ist es, mit möglichst vielen ABU-Mitgliedern im Stadtrat vertreten zu sein, um die Arbeit des Bürgermeisters kritisch zu begleiten. Diese kritische Begleitung bekommt man natürlich besser hin, wenn der Bürgermeister nicht aus den eigenen Reihen stammt. 

Bis Februar 2013 hat die ABU mit der SPD im Stadtrat kooperiert, bis die SPD aufgrund der Debatte um die Etablierung eines „Super-Geschäftsführers“ für die städtischen Gesellschaften die Zusammenarbeit beendet hat. Welche Konstellationen sind nach der Wahl vorstellbar?

Bernd Mortimer: Zunächst: Wir waren gegen die kostspielige Einrichtung des „Super-Geschäftsführers“, die aus unserer Sicht nicht nötig war und ist. Zum Glück ist es dazu letztendlich auch nicht gekommen. Dass daran die Kooperation mit uns zerbrochen ist, haben wir in Kauf genommen, weil wir unsere Prinzipien nicht einfach so aufgeben. Nebenbei bemerkt: Auch nach Ende der Kooperation haben wir mit der SPD in den verschiedenen Ausschüssen gut zusammen gearbeitet. 

Planspiele, wer mit wem später im Stadtrat koalieren wird, sollten wir erst nach der Wahl beginnen. Zunächst haben die Wählerinnen und Wähler das Wort. Nach deren Votum werden sich alle Alsdorfer Parteien richten. Fest steht aber auch: Wir sind bereit, mit jeder demokratischen Fraktion im Rat zusammen zu arbeiten. Diesen stehen wir offen und sachlich fair gegenüber. Jedweden Extremismus von links oder rechts lehnen wir strikt ab. 

Wir sind fest davon überzeugt, dass zukünftige Ziele nur dann erreicht werden können, wenn ein gutes Miteinander zwischen Bürgern, der Verwaltung und den politisch Verantwortlichen realisiert werden kann.

Beschimpfungen und/oder Verunglimpfungen politischer Mitbewerber oder einzelner Personen führen, aus unserer Sicht, nur zu einer Verhärtung und Verdrossenheit zwischen den Beteiligten. Wir diskutieren fair und auf Grundlage nachweisbarer Fakten. 

Was wünscht sich die ABU für den 25. Mai?

Bernd Mortimer: Als Demokrat ist mein großer Wunsch, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Wenn dann noch möglichst viele ihr Kreuzchen bei der Liste 9, bei der ABU, machen, freut uns das natürlich umso mehr. Aus demokratischer Sicht wäre es fatal, wenn nur eine Partei in Alsdorf das Sagen hat.

Wir versuchen alles, dies zu verhindern und werden versuchen, mit möglichst vielen Ratsmitgliedern in den Stadtrat einzuziehen.